„Die praktische Anschauung führt mitten hinein in die Wissenschaft“

Die ersten Absolventen des Masterstudiengangs ÖPNV und Mobilität empfehlen die UNIKIMS: „Bringt einen weiter!“

Gäbe es den Masterstudiengang ÖPNV und Mobilität an der UNIKIMS nicht, man müsste ihn erfinden. Dieser Auffassung ist Reinhold Schröter, Stabsbereichsleiter Betriebsleitung bei der Stuttgarter Straßenbahn AG. Das Studium an der Management School der Universität Kassel hat sich für Christoph Cremer, Teamleiter „Einnahmesicherung und Mobilitätsservice“ bei der Rhein-Main-Verkehrsverbund Servicegesellschafts mbH, schon vor dem Abschluss regelrecht „gelohnt“, und Doreen Köster aus dem zentralen Controlling der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH (KVV) urteilt: „Das Masterstudium ÖPNV bringt einen weiter, auf jeden Fall.“ Viktor Zitzmann wiederum, bei der traffiQ GmbH der Stadt Frankfurt am Main für die Infrastrukturplanung zuständig, versichert: „Ein Studium im Verkehrsbereich, das praxisorientierter ist als jenes an der UNIKIMS, kann ich mir nicht vorstellen.“

Professor Dr. Sommer: „Wir brauchen Generalisten“

Professor Dr. Carsten Sommer, Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme an der Universität Kassel, setzt hinzu, der Studiengang verbinde aktuelle wissenschaftliche Methoden und Kenntnisse mit Praxisbeispielen. Bei aller Praxis ist für den akademischen Leiter des Studiengangs die Wissenschaftlichkeit die unverzichtbare Basis eines Masterstudiums. Sommer weiß: „Gut ausgebildete Leute sind dringend nötig. Wir brauchen Menschen, die die Kernthemen des ÖPNV beherrschen. Wir brauchen Generalisten, wenn Betriebswirte, Juristen, Bauingenieure, Maschinenbauingenieure, Historiker und Geographen in Verkehrsunternehmen zusammenarbeiten sollen und wollen.“ Sommer erinnert an den Ursprung des Studiengangs. „Wir brauchen das!“, habe ihm die Branche der Verkehrsunternehmen zugerufen. Der ÖPNV leide am Fachkräftemangel, vom Busfahrer bis hin zum Akademiker. An Ingenieuren fehle es schon seit langem. Vor allem aber fehlten Generalisten, die sich auf den ÖPNV spezialisierten, „um den Wandel des ÖPNV weg vom Transporteur der Zwangskunden hin zum modernen Mobilitätsdienstleister für selbstbewusste, anspruchsvolle Kunden zu gestalten“, sagt Sommer.

Betriebsleiter Schröter aus Stuttgart ist von Beginn an als Dozent dabei

„Die Idee dazu ist hervorragend, und ich freue mich, als Dozent von Anfang an dabei zu sein“, sagt Diplomingenieur Schröter. Der Studiengang biete den Vorteil der „integrierten Sicht auf die Dinge“. Häufig genug werden Strategie und Handeln eines Verkehrsunternehmens rein aus betriebswirtschaftlicher oder juristischer Perspektive bestimmt, sagt Schröter: „Natürlich muss ich rechnen können, ob es lohnt. Aber zunächst einmal muss ich wissen, wie es geht, wie es funktioniert. Darum muss ich das Thema ÖPNV aus allen Perspektiven angehen, -  aus der technischen, der stadtplanerischen, der sozialen, der wirtschaftlichen.“ Der Vorteil des berufsbegleitenden Studiengangs sei es, dass er so breit angelegt sei. „Wo gibt es sonst eine Alternative dazu?“, fragt Schröter.  Andere Wege der Weiterqualifikation gingen von der Betriebswirtschaftslehre, dem Maschinenbau oder dem Bauingenieurwesen mit dem Zusatz ÖPNV aus. Der Blick auf das komplexe Gesamtthema „öffentlicher Personennahverkehr“ komme dabei meist zu kurz.

Der Betriebshof wird zum Seminarraum

Schröter wählt die Linienführung einer Straßenbahnlinie als Beispiel: Eines der bekanntesten Neubauprojekte in der europäischen Fachwelt ist die Straßenbahn von Montpellier, deren Trassen sich durch die Stadt schlängeln, um viele Sonderziele anzufahren. Die zahlreichen Kurven führen aber zu hohem Verschleiß an Gleisen und Rädern und zu einem hohen Energieverbrauch. Denn um den Verschleiß zu mindern, müssen die Bahnen vor den Kurven abbremsen und anschließend wieder beschleunigen. Lange, gestreckte Linienführungen seien da besser, und in Kassel gebe es viele gute Beispiele für eine gelungene Integration des ÖPNV und insbesondere der Straßenbahn in den Straßenraum zu studieren. Schröter nutzt diese Beispiele, indem er während der Präsenzphasen im berufsbegleitenden Studium mit den Studierenden in Kassel vor die Tür geht und in die Tram steigt. „Der Studiengang ist für mich weder vorwiegend praxisorientiert, noch überwiegend wissenschaftlich ausgerichtet. Es beginnt mit der praktischen Anschauung und sofort bin ich mitten in der Wissenschaft, ohne die ich die Praxis nicht begreifen kann“, sagt Schröter und nennt ein weiteres Beispiel, das er sich mit den Studenten im Betriebsalltag und im Betriebshof ansieht: Die Kasseler Regiotram, für Schröter eine „ziemlich pfiffige Idee“. Züge, die - aus dem Umland kommend - auf Gleisen der Eisenbahn fahren, verkehren in der Stadt wie Straßenbahnen, um dann die Stadt wieder auf Bahngleisen zu verlassen, obwohl Straßen- und Eisenbahn vom System der Gleise, Radsätze und Spurführung her verschieden sind.

„Mit Master ist besser als ohne“

Die Praxis bilde in dem wissenschaftlichen Studiengang immer die Zielvorstellung, sagt Schröter, „aber das Dumme an der Praxis ist, dass sie sich dauernd ändert“. Darum gelte es, Grundlagen von langer Dauer zu vermitteln etwa für die Planung von Linien und Kreuzungen, für die Anlage von Haltestellen sowie die Aufmerksamkeit auf die Wechselwirkung von Verkehrswegen mit den Strukturen von Stadt und Siedlung zu lenken. Er, Schröter, sei gerne dabei als Dozent, denn die Lehre bereite im Freude und sei auch für den Dozenten sinnvoll: „Es bringt dem Dozenten etwas, in der Absicht auf die Studenten zuzugehen, um mit ihnen einen Dialog zu führen. Das sind ja alle schon Praktiker. Die stellen Fragen mit Substanz oder üben den konstruktiven Widerspruch. Dann suchen wir, Dozent und Studenten, im Kreis die Antwort. Das ist dann schon fast kein Seminar mehr, sondern beinahe ein Workshop.“

 „Mehr Praxis im Masterstudiengang kann ich mir nicht vorstellen“

Der erste Jahrgang des in Deutschland einmaligen Masterangebots nahm im Herbst 2013 sein Studium auf. Nun haben die ersten Absolventen das Studium abgeschlossen. Das berufsbegleitende Studium sei durchaus eine hohe Belastung, sagt Zitzmann: „Man muss sich gut organisieren können.“ Zeitlich, sagt Doreen Köster, waren die meist zwei Veranstaltungen im Monat gut zu absolvieren. Während der Klausuren wurde es jedoch „aufwändig, denn man arbeitet 40 Stunden die Woche, hat den normalen Studienbetrieb und dann kommt noch die Vorbereitung auf die Klausuren“. In jedem Falle sei das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Sie habe allerdings mit der Anmeldung ihrer Masterarbeit so lange gewartet, bis sie den Aufwand dafür besser abschätzen konnte.

Etwa zehn Studierende je Jahrgang bilden eine gute Lerngruppe

Der erste Jahrgang, sagt Sommer, zählte sieben, der nächste elf und der dritte Jahrgang zehn Studenten. Das sei eine „gute Größe“. In vier Semestern und einem fünften Semester für die Abschlussarbeit qualifizieren sich die Absolventen zum Master of Science. Voraussetzung zur Aufnahme des Studiums ist ein erster akademischer Abschluss, der aber nicht auf die Ingenieurwissenschaften begrenzt ist. Auch Juristen, Stadtplaner, Betriebswirte und Vertreter anderer Fachrichtungen sind willkommen, denn sie werden alle gebraucht. Schließlich ist das Spektrum der Fachgebiete, die vom ÖPNV berührt werden, ebenso groß, wie die Themen dieser Branche facetten- und abwechslungsreich sind. Wie in allen Studienangeboten der UNIKIMS werden die Studierenden an die Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens wieder herangeführt und erhalten in diesem Studiengang zudem eine Auffrischung in Mathematik. Das selbständige Lernen sei ein Muss in dem Studiengang auf universitärem Niveau, sagt Sommer.

Netzwerke zwischen Kommilitonen und Dozenten

Das Studium solle dem Studierenden und seinem Unternehmen helfen, die gestellten Aufgaben noch besser zu bewältigen. Der Absolvent solle aber auch in seiner Karriere vorankommen. Dazu könne auch die Netzwerkbildung im Studiengang unter den Kommilitonen und mit den Dozenten beitragen, sagt Sommer. Unter den Lehrenden seien neben Professoren der Universität Kassel Vertreter der Verkehrsunternehmen, der Verkehrsverbünde, der Ingenieurbüros und der Verkehrspolitik wie zum Beispiel der frühere hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch.

„Der ÖPNV profitiert davon“

Mit dem Studium eröffnet sich nach Cremers Worten „die einmalige Chance, persönliche Kontakte zu den Dozenten aus der Praxis und damit tief und weit hinein in die Branche des ÖPNV in Deutschland zu knüpfen“. Professor Dr. Sommer habe ihm zum Beispiel die Möglichkeit zur Aufnahme in einen Arbeitskreis der FGSV, der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, ermöglicht. Überdies sei es „sehr, sehr angenehm“ gewesen, im Kreis der Kommilitonen und Dozenten zu studieren. Noch ist es für Cremer zu früh, eine Prognose zu wagen, ob der Studiengang mit den ersten wenigen Absolventen den ÖPNV in Deutschland verändert wird. Doch fest steht für Cremer: „Der ÖPNV profitiert davon.“ Und Zitzmann bestätigt: „Wenn mein Geschäftsführer mich fragen würde, ob ich das Studium empfehlen würde: Ich würde es empfehlen!“

„Mit Master ist besser als ohne“

Betriebsleiter Schröter aus Stuttgart sieht es pragmatisch: Über ein Wochenende verändere ein Student nicht die betriebliche Praxis, wenn er nach der Präsenzphase am Montag in sein Unternehmen zurückkehre. „Menschen an einem Wochenende zu verändern, das gelingt nur Wunderheilern. Ingenieure sind das nicht. In den Verkehrsunternehmen wird sich der Wandel langsamer vollziehen“, vermutet Schröter. Nicht jeder Mitarbeiter wolle berufsbegleitend studieren, und nicht jedes Unternehmen entsende Studenten und könne jährlich einem Akademiker ein Masterstudium ermöglichen. Aber der Karriere diene das berufsbegleitende Studium in jedem Falle: „Mit Master ist besser als ohne.“

Nächster Studienbeginn im November 2017

Der nächste Masterstudiengang beginnt im November 2017. Informationen zu dem Studiengang und zur Anmeldung finden Sie unter www.unikims.de/oepnv.