e-learning: Das Innovative stärkt das Bewährte

Die Studierenden der UNIKIMS leben und lernen auf dem E-Campus / Neue Informationstechnik erleichtert, verbessert und ermöglicht den Wissenstransfer

Gutes E-Learning verdrängt oder ersetzt die hergebrachten Formen des Lehrens und Lernens nicht, sondern es führt zu vergessenen Formen der Wissensvermittlung zurück, fügt sich in das Bewährte ein, ergänzt und optimiert es. Schließlich soll die moderne Informations- und Kommunikationstechnik das Lehren und Lernen erleichtern und damit den Erfolg der Wissensmehrung verbessern. Mit dem Unikims-E-Campus führt die Management School der Universität Kassel schon seit über 10 Jahren vor, wie das geht, und sie zeigt, wie es immer besser geht. Die Studierenden nutzen den E-Campus nicht nur zum Lernen, sondern auch zur privaten Begegnung.

„E-Learning ist mehr als die Überbrückung der Distanz“

Den Ausschlag für das E-Learning mag damals vor über zehn Jahren, als mit dem Aufbau des E-Campus begonnen wurde, die Distanz gegeben haben, die naturgemäß zwischen den Studierenden einer berufsbegleitenden wissenschaftlichen Weiterbildung herrscht, wenn die Studenten nicht nur aus ganz Deutschland kommen, sondern für ihre Unternehmen auch rund um den Globus tätig sind. „Aber die Überbrückung der Distanz ist als Begründung für das E-Learning zu wenig“, war Dr. Jochen Dittmar, Geschäftsführer der Unikims, von vornherein klar. Er stellte Fragen: Was ergibt Sinn? Wie müssen wir das E-Learning einsetzen und anwenden? Wie bringen wir es Studierenden und Dozenten nahe? Und warum machen wir es eigentlich? Diese Fragen, die auf den Sinn des Unterfangens und die Interessen der Kunden gerichtet sind, führen die Macher des E-Campus bis heute durch das Projekt und zum Erfolg.

Der Student ist ein soziales Wesen

Dittmar und André Schaub, der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studierte und heute den E-Campus betreut, erwarten von einem Fernstudium mehr als das Lehrmaterial mit der Post zu verschicken und die Studenten dann bei der Bearbeitung allein zu lassen. Dittmar und Schaub waren überzeugt, dass der Mensch als soziales Wesen – neben dem individuellen Selbststudium – auch den Austausch in der Gruppe, die Einordnung eines Inhalts oder Lernergebnisses in einen größeren Kontext benötigt. Darum waren sie von Beginn an überzeugt, dass für die Studierenden das Lernen von Grundlagen im Selbststudium ebenso unverzichtbar ist wie der Austausch über virtuelle Klassenräume, damit die Studierenden im Diskurs zum Lernerfolg gelangen.

Mit dem Tablet kehrt die Tafel zurück

Die Unikims kombinierte in ihrem E-Campus das asynchrone Selbststudium, bei dem die Studierenden jederzeit auf Lehrmaterialien zugreifen können, und das synchrone  Lernen mit Onlinemeetings und schuf dafür eine möglichst nutzerfreundliche, einfache Lösung. Unter einer Adresse im Internet loggen sich die Studierenden ein, um Zugang zum gesamten Angebot zu haben. Die Studierenden erhalten Zugang zum virtuellen Campus der Unikims und können Termine einsehen, mit Dozenten und Kommilitonen in Kontakt treten, Tests absolvieren und den Erfolg anhand der Antworten, die im Intranet hinterlegt sind, kontrollieren und selbstverständlich die Informationen zum Selbststudium herunterladen und sich in virtuellen Seminarräumen mit Dozenten und ihrer Studiengruppe treffen. Die Inhalte und die Arbeitsweise des asynchronen Lernens vergleicht Dittmar mit der Qualität einer Vorlesung im Hörsaal oder dem Selbststudium in der Bibliothek. Das synchrone E-Studium hat dagegen mehr den Charakter eines Seminars oder den eines gemeinsamen Schlenderns über den Campus. Synchron erarbeiten Studenten und Dozenten im virtuellen Klassenraum gemeinsam Lernziele, sie können diskutieren oder alle zusammen ein Problem am gemeinsamen Bildschirm lösen. Auf diese Weise, sagt Dittmar, kehrt die Tafel in den Alltag der Lernenden und Lehrenden zurück und verdrängt die Powerpoint-Präsentation, wo sie nicht passte. An der Tafel entwickeln Dozenten, einzelne Studenten oder alle gemeinsam die Lösung eines Problems, zeichnen dort Irrwege, Auswege und die Wege zum Ziel auf. Die Sitzung wird dokumentiert und im virtuellen Campus – zum Nachstudium – hinterlegt. Freilich gibt es auch eine Chatfunktion. Jeder kann entscheiden, ob ihn alle hören sollen, er an alle schreibt oder nur einer oder einzelne Partner, die er anspricht oder anschreibt. Denn sowohl schriftlich als auch mündlich ist die Kommunikation möglich, etwa wenn Studenten gemeinsam lernen möchten, ein Referat vorbereiten, sich über ihre Arbeit austauschen oder sich privat nähergekommen sind. „Je besser sich die Studenten kennen, desto enger verbringen sie auch ihre Freizeit zusammen“, hat Schaub im Laufe der Jahre beobachtet. Wie auf einem realen Campus geht es um Kommunikation und Einbindung in den Studienalltag. Dafür schafft die Unikims mit ihrem E-Campus die technische Basis.

Das E-Learning passt sich dem Studiengang an

Die Leiter der Studiengänge und die jeweiligen Dozenten nutzen den E-Campus je nach didaktischer Anforderung unterschiedlich intensiv. Die Leiterin des Studiengangs Mehrdimensionale Organisationsberatung aus dem Fachbereich Psychologie, Professor Dr. Karin Lackner, setzt nach Dittmars Schilderung auf die persönliche Erfahrung der Studierenden in Gruppen und Organisationen als essenziellen Bestandteil des Studiengangs. Die Studierenden sollen Wege finden, wie sie in Unternehmen die notwendigen Freiräume schaffen, um mit anderen Menschen zusammen Probleme zu lösen, denn genau das sei Management. Diese Studierenden seien vielfach freiberuflich oder in Führungspositionen tätig und könnten über ihre Zeit relativ frei verfügen. Dabei setzen die didaktischen Ziele des Studiengangs viel persönlichen Kontakt voraus, der sich nicht in ein E-Learning-Gerüst pressen lässt. Dementsprechend kann ein E-Learning-Portal hier nur als unterstützende Komponente dienen.

Die Master of Public Administration mögen den E-Campus

Anders sieht es naturgemäß im Studiengang Master of Public Administration aus. An ihm nehmen auch Studierende aus ganz Deutschland teil, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten. Die Abläufe sind  in diesem Arbeitsfeld  relativ strukturiert und reglementiert. Entscheidungsspielräume sind im Vergleich zur Wirtschaft enger, und der Umgang mit der Zeit ist ein anderer. Die Inhalte des Studiengangs sind strukturiert und über eine E-Learning-Plattform sehr gut vermittelbar. Deshalb ist der E-Campus in diesem Studiengang hervorragend geeignet, um einen Großteil des Studiums abzuwickeln. Neben einer bedarfsorientierten Inhaltsvermittlung über umfangreiches Lehrmaterial zum Selbststudium ist der E-Campus der zentrale Ort, an dem sich die Mitarbeiter der Verwaltungen mit ihren Kommilitonen und den Dozenten über die Arbeitsabläufe in der jeweiligen Organisation austauschen, um gemeinsam zu überlegen, was die eine Verwaltung von der anderen lernen könnte. Während in der Industrie ein Selbstvergleich mit anderen Unternehmen an der Tagesordnung ist, besteht diese Möglichkeit in öffentlichen Verwaltungen recht selten. Deshalb sind wöchentliche Vorlesungen, in denen theoretische Studieninhalte mit Erfahrungen aus der Praxis reflektiert in Beziehung gesetzt werden, ein essenzieller Bestandteil des Studiums.

Verallgemeinernd und die Unterschiede zwischen den Studiengängen bewusst nivellierend schätzt Dittmar, dass jeder Studierende an der Unikims am Tag eine Stunde für das Selbststudium  aufbringt, zwei Stunden wöchentlich in Onlinesitzungen und im Abstand von jeweils sechs Wochen für zwei Tage zu Präsenzveranstaltungen aufbricht.

Die Technik wird immer besser

Technisch wurde der E-Campus immer besser. Früher, sagt Schaub, habe er bei jedem fünften oder zehnten Teilnehmer an der Technik nachbessern müssen, bis der Student den E-Campus komplikationsfrei betreten konnte. Heute sei nur noch in einem von 40 Fällen eine technische Anpassung nötig. Die Studierenden gingen mit dem Medium zunehmend ohne Scheu um, sagt Schaub, beherrschten nach zehn bis dreißig Minuten die wichtigsten Schritte auf dem E-Campus. Aber es sei wie beim Autofahren, Schlittschuhlaufen oder dem Beherrschen einer Fremdsprache. Wer sich offen zeige, die Tätigkeit oder Fähigkeit immer wieder mit Freude ausprobiere und den Umgang trainiere, werde am Ende auch im E-Learning mit mehr Freude und Erfolg ans Ziel kommen, sagt Schaub, der die Studierenden auch immer wieder ermutigt, sich aktiv einzubringen. Wenn die Studierenden das virtuelle Klassenzimmer zum ersten Mal betreten, sei ihnen die Unsicherheit anzumerken. Sie fragten zurückhaltend, ob das Mikro eingeschaltet sei und ob sie jeder verstehe. Diesen Respekt vor der Technik möchte Schaub den Studierenden aber nehmen. Er versteht seine Aufgabe darin, Zutrittsschwellen abzubauen und eine Form des E-Learnings zu bieten, bei der der Nutzer keine Angst haben muss, etwas falsch zu machen. Deshalb bekommen alle Gruppen vor dem ersten „echten“ Kontakt mit Dozenten eine Einführung, in der es darum geht, den Teilnehmern die Scheu vor der Technik zu nehmen. Die Probleme seien andere, aber irgendwie doch ähnliche wie im Hörsaal oder Seminarraum. Während es dem einen im realen Klassenzimmer zu dunkel oder zu hell, zu warm oder zu kalt sei, sei im virtuellen Klassenzimmer zum Beispiel für einen anderen die Internetverbindung zu langsam. Vor allem jene, die am Arbeitsplatz studieren, könnten durch das Netzwerk des Unternehmens ausgebremst werden, wenn beispielsweise aus Sicherheitsgründen der Zugriff auf bestimmte Dienste gesperrt ist. Aber solche Hindernisse räumt Schaub beiseite.

Die Studierenden und Dozenten, resümiert Dittmar, finden sich auf dem E-Campus gut zurecht. Das E-Learning sei für sie keine Hürde, sondern selbstverständlich. Das wiederum sei ein Ausweis für dessen Funktionalität und Reife.