Erfahrungsberichte

Der Düsseldorfer Künstler Walter Padao schildert seine Erfahrungen aus der Arbeit mit Grundschülern

„Vor der Arbeit mit Kindern, muss man sich bewusstmachen, mit wenigen Dingen anzufangen. Man muss flexibel sein und die eigenen Ideen zunächst hinten anzustellen. Die Kinder möchten Aufmerksamkeit, und ich muss herausfinden, was das einzelne Kind im Besonderen ausmacht“, schildert Walter Padao seine Erfahrungen in der Arbeit mit Grundschülern: „Ohne pädagogische Erfahrung oder zumindest ein gutes Briefing kann man gleich einpacken.“

Padao lebt als Künstler in Düsseldorf. In der klassischen Malerei zuhause verknüpft er diese mit anderen medialen Möglichkeiten und entwickelt derzeit ein Live-Bühnenbild für ein Ballettstück an der Deutschen Oper. Zunächst hatte Padao in Frankfurt Kunstpädagogik studiert: „Es waren tolle Seminare, aber nach zwei Semestern stellte ich fest, dass das weder Fisch, noch Fleisch für mich war“. Darum begann er 1988 ein Studium der Freien Kunst in Kassel, ging 1991 bis 1992 für ein einjähriges Auslandsstipendium an der accademia delle belle arti nach Bologna zu Prof. Pozzati und schloss sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg 1994 bei Prof. Johannes Grützke als Meisterschüler ab. Später widmete er sich für eine Zeit Kunstprojekten mit Kindern an Grundschulen.

Die Eltern bestimmen den Erfahrungshorizont

Padao erfuhr, wie die Kinder von ihrer Umwelt ganz unterschiedlich geprägt waren. Am einfachsten war die Arbeit mit Kindern aus dem Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel, wo die Kinder ganz selbstverständlich Töpfer- und Ballett-Kurse in ihrer Freizeit besuchen, wo die Eltern und Großeltern den Kindern Beachtung für Musisches schenken und die Freude am Erfolg der Kinder mit diesen teilen. „In anderen Stadtteilen gab es ganz tolle Potentiale unter den Kindern, aber sie waren viel schwerer zu heben“, schildert Padao die Herausforderung dort. Er berichtet von einer Schule in der Innenstadt, wo eine Lehrerin unter Burnout litt, und in der die Kinder wie „autistisch“ vor ihm saßen: „Erst als die Deutschlehrerin dazu kam, da ging es. Die Kooperation mit der Lehrerin und die Anbindung des Projekts an den Deutschunterricht zählte. Allerdings hatten wir die Kinder vorher schon mit Hip Hop Tanzen fasziniert. Sowas hatten die medial schon mitbekommen. Und als das einzelne Kind merkte, es geht um mich, da war es dabei.“

Der Junge, der auf mich ballerte

Unvergesslich bleibt ein Junge, der wie mit einer virtuellen Waffe „auf mich ballerte“, erzählt Padao: „Man kommt zu den Kindern, hat seine künstlerischen Ideen im Kopf und dann passiert sowas. Da kann man gleich gehen ohne pädagogische Erfahrung.“ In einer anderen Schule erlebte Padao, wie der Schulleiter mit ihm über den Hof ging, und die Kinder für das Kunstprojekt einsammelte, - ob sie wollten oder nicht.

Auch hatte Padao einmal „viel zu viel vor mit den Kindern“. Er hatte Fühlkästen mitgebracht, in denen es im Verborgenen allerlei zu ertasten galt: „Doch auf einmal machten die Kinder alles kaputt. Ich war fassungslos, wie man mit den Dingen so umgehen kann.“ Ein andermal verwandelten die Kinder den Inhalt vieler kostbarer Farbtuben binnen Minuten in grauen Matsch.

Dann stellte Padao fest, dass die Kinder eigentlich nur eines wollten: Aufmerksamkeit und Wertschätzung: „Alle wollen Aufmerksamkeit, und ich muss herausfinden was der Einzelne zum Ganzen beitragen kann. Und das in Kombination mit einer klaren Führung.“

Auch die Heulsuse entfaltet ihr Talent – und ist willkommen

In einem einjährigen Projekt mit 50 Kindern aus dritten und vierten Grundschulklassen von fünf Düsseldorfer Schulen, in dem sich Tanz und Kunst verbinden sollten, fand Padao auch eine Aufgabe für den „Baller-Jungen“, der partout nicht tanzen wollte: „Ich sah ihn an und sagte zu ihm: Du bist unser DJ. Da hatte auch er seine Aufgabe gefunden. Er war wichtig und brachte sich ein.“ Selbst für die „Heulsuse“, mit der selten etwas anzufangen war, und die alle nervte, weil sie immerzu klagte, wenn ihr etwas nicht gefiel, fand Padao eine Aufgabe. „Als die Kinder pantomimisch ihre Traurigkeit zeigen sollten, da zeigte die Heulsuse, was in ihr steckte. Sie versank in sich selbst zu einem Häuflein Elend. Und als sie in der schlimmsten Haltung zu verharren schien, da fing sie an zu schmunzeln und wir alle lachten mit ihr. Fortan hat sie nie mehr genervt und erlitt keine Ausgrenzung mehr.“

Der gute Rat: Nicht ohne Fortbildung, Hilfe und Briefing ins Projekt

Am Ende war das Projekt mit den 50 Kindern auf der Bühne „eine ganz intensive Erfahrung“ für Padao. Er hat viel über sich und die Welt gelernt, in der er lebt. Die meisten Kinder schrieben Einladungskarten an ihre Eltern und Großeltern zur Tanzaufführung, und die Geladenen kamen auch. Andere schrieben erst gar keine Karten, denn sie wussten, es würde ohnehin keiner kommen.

Im Rückblick rät Padao, die Kinder gut zu beobachten: „Was machen die? Wie reagieren sie?“ Er empfiehlt, spielerisch mit den Kindern zu arbeiten, sie nicht zu überfrachten und zu erkennen: „Wie gehen sie mit Regeln um?“ Der Künstler empfiehlt jedem, der in die Projektarbeit gehen möchte, sich zuvor Rat und Hilfe in einer speziellen Fortbildung zu suchen und von der Schule oder dem Aufgabenträger ein intensives Briefing, aber besser noch die Unterstützung oder Mitarbeit eines Lehrers zu erbitten.